AUTISMUSFOKUS

FRÜHERKENNUNG

Je früher eine Störung in Richtung Autismusspektrum erkannt wird, desto früher können die Weichen der Entwicklung in die richtige Richtung gestellt werden. 

 

Auffälligkeiten in der frühen Entwicklung, die abgeklärt werden sollten

  1. Schreibaby: schreit stundenlang, wirkt irritiert von vielen Reizen (z.B. Berührungen, Geräusche, Bewegung), biegt sich stark zurück (opisthotone Haltung), kann nicht einschlafen
  2. Verzögerungen der motorischen Entwicklung oder eine sonderbare Qualität der Motorik (z.B. schlapp oder steif, vorsichtig, zittrig) oder Bewegungen, die andere Kinder nicht machen (z.B. monotone Bewegungen oder Stereotypien).
  3. wenig Interaktion mit anderen Menschen (z.B. reagiert nicht auf seinen Namen, wirkt oft abwesend oder überkonzentriert, imitiert keine Bewegungen wie Lächeln oder Winken; zeigt nicht mit dem Finger, plappert nicht und benutzt keine sinnvollen Wörter, teilt Freude nicht mit anderen
  4. wenig zweckmäßige Handlungen: benutzt Spielzeug und Alltagsgegenstände von sich aus nicht sinnvoll, probiert nicht aus, spielt monoton

Diese Auffälligkeiten können verschiedene Ursachen haben.  Jedenfalls zeigt uns das Kind, dass irgendwelche Hindernisse seinen normalen Entwicklungsverlauf behindern. Es nimmt sich durch dieses eingeschränkte Verhalten selbst jeden tag unzählige Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten. Deshalb ist es so wichtig, eine Entwicklungsstörung  möglichst frühzeitig zu identifizieren! Eine frühe und möglichst intensive, spielerische, freudvolle und liebevolle  Intervention gibt Ihrem Kind die Chance, seinen Entwicklungsverlauf wieder in voller Fahrt aufzunehmen und seine Potenziale voll auszuschöpfen. 

 

Frühdiagnostik - idealer Weise um den 1. Geburtstag

  • Ergotherapeutische Diagnostik der sensorischen Verarbeitung (Modulation und Perzeption) und  Handlungsfähigkeit  (Praxie)
  • Psychologische Entwicklungsdiagsnotik mit besonderer Berücksichtigung einer möglichen Störung des autistischen Spektrums 

Die Zusammenarbeit von Psychologin und Ergotherapeutin unterstützt die frühe Erkennung von sensorischen Integrationsstörungen und Dyspraxie und soll der Überdiagnostizierung von dyspraktischen und aufmerksamkeitsgestörten Kindern als autistisch entgegenwirken.

 

 


FRÜHINTERVENTION

Für Kinder mit Verdacht auf eine tiefgreifende Entwicklungsstörung wie Autismus bieten wir ein intensives Frühinterventionsprogramm, das aus Gruppen- und verschiedenen Einzeltherapien besteht.

Dieses Programm umfasst

  • Einzeltherapien: sensorisch-integrative Ergotherapie, DIR®Floortime Intervention, Musiktherapie
  • Therapiegruppe "SpielMinis" für Kinder von 18 bis ca. 36 Monaten

Durch das frühe Eingreifen können wir Grundlagen für eine positive Entwicklung legen, wie sensorische und emotionale Regulation, Aufmerksamkeit, Körper- und Selbstwahrnehmung, Bewegungs- und Handlungsplanung, und Freude an sinnvollen und sozialen Aktivitäten.

  

1. Sensorisch-integrative Ergotherapie (ET-ASI®)

 

ist eine Grundlage der Autismusbehandlung junger Kinder, da sie alle wesentlichen Probleme dieses Störungsbildes erfasst und bedürfnisorientiert, individualisiert und kindzentriert behandelt. In einem spielerischen, interaktiven Rahmen werden die Sinnesverarbeitung durch intrinsisch motivierte Aktivitäten reguliert und geordnet und die Handlungsfähigkeit angeregt. Studien belegen die Erfolge dieses Ansatzes bei autistischen Kindern (z.B. Schaaf et al., 2013).

Das Prinzip dieses Therapieansatzes ist es, natürliche Gelegenheiten zur Interaktion mit der Umwelt (Dinge und Personen) zu schaffen und zu nutzen statt in künstlichen, aus dem Zusammenhang gerissenen Lernsituationen zu trainieren.  ET-ASI® ist kindgerecht und respektvoll dem Kind gegenüber. Die Therapeutin geht mit jedem Kind, sei es noch so inaktiv, leistungsschwach oder defensiv, respektvoll um und arbeitet intensiv an der für die SI-Therapie charakteristischen partnerschaftlichen und vertrauensvollen Beziehung, einer Allianz zwischen Kind und Therapeutin.  Dann unterstützt sie das Kind, zielgerichtete Aktionen erfolgreich zu Ende zu führen, hat mit ihm gemeinsam Spaß, baut sein Selbstvertrauen auf und legt somit ganz wesentliche Grundlagen für die Entwicklung von Spielfähigkeiten und sozial-kommunikativen Fähigkeiten. 

 

ET-ASI® ist eine positive Erfahrung für das Kind,

wo es sich verstanden und angenommen fühlt und endlich einmal Spaß haben kann! 

 

Das SpielStudio bietet auch die Möglichkeit der Parallelbehandlung (2 Therapeutinnen in einem Raum, jeweils 1:1 mit einem Therapiekind). Dadurch ergeben sich natürliche Gelegenheiten, ein anderes Kind wahrzunehmen,  zu beobachten, anzusprechen, zum Mittun einzuladen oder eingeladen zu werden, Strategien zu entwickeln, wie man herausfindet, wer beginnen darf, sich mit dem anderen zu freuen, Rücksicht zu nehmen, bejubelt zu werden....

 

 

Schon mit vergleichsweise wenigen Stunden (günstiger Weise 3x45 min. pro Woche) erreicht ET-ASI® Ziele, die die Alltagsbewältigung für Kind und Familie erleichtern. Die Therapeutinnen bieten auch Hausbesuche an, um eine anregende natürliche Umgebung im Alltag sicherzustellen.

 

Wie Eltern über Sensorische Integration lernen können

Das SeminarInstitut in Wien bietet jährlich 2 Informationsabende (kostenlos) und 2 Einführungskurse in die Sensorische Integration an denen auch  Eltern und Interessierte teilnehmen können. Näheres zu den Informationsabenden hier auf unserer Praxiswebseite, zu den Einführungskursen auf www.seminarinstitut.com/deutsch/sensorische-integration-kurse/si-einfürung

 


2. DIR®FLOORTIME

 

DIR®Floortime ist ein autismusspezifischer Ansatz, der auf die sozio-emotionale Entwicklung des Kindes abzielt. Ebenso wie SI geht die Therapeutin auf das Kind und seine Bedürfnisse ein, verwickelt es in lustvolle Interaktionen und baut so die soziale und emotionale Entwicklung auf. Nicht Defizite und Verhaltensweisen stehen im Blickpunkt, sondern die person des Kindes und sein Kindsein. Die Eltern sind stark in die Behandlung einbezogen, die sich als "familienzentriert" versteht. Es geht darum, dass sie eine positive, unterstützende, gestärkte Beziehung zu ihrem Kind entwickeln können. Spezialisierte Ergotherapeutinnen und Psychologinnen leiten Eltern zur spielerischen Interaktion nach dem DIRFloortime® Modell an, wodurch die Eltern einen wichtigen Teil der Behandlung zu Hause übernehmen können. Laut Studien führten die Eltern bei diesem Ansatz die Behandlung für durchschnittlich 15 Wochenstunden daheim weiter.

Die DIR®Floortime Behandlung findet normalerweise 1-2x wöchentlich in der Praxis und 1x wöchentlich zu Hause statt.

 

Wie Eltern über DIR®Floortime lernen können

Das SeminarInstitut in Wien bietet jährlich 1-2 Weiterbildungen in DIR®Floortime an. Am Einführungskurs DIR101 "Introduction to DIRFloortime" können auch  Eltern oder Interessierte teilnehmen. Näheres auf www.seminarinstitut.com/dir-floortime/dir-kurse


3. Musiktherapie

Musik spricht unsere ältesten Gehirnregionen an, löst Emotionen aus und bringt Emotionen zum Ausdruck und ermöglicht, in Beziehung zu kommen. Musik bietet einen Zugang zu autistischen Personen, die Rhythmus und Musik meist lieben. 

Musiktherapie verbindet die archaische Kraft von Rhythmus und Musik mit den Wirkfaktoren der Psychotherapie, basierend auf Erkenntnissen der Neurowissenschaften, Grundlagen der Psychologie und der Medizin.

Besuchen Sie auch die Webseite unserer Musiktherapeutin www.musiktherapeutin.at!

 


4. THERAPIEGRUPPE "SPIELMINIS"

 

Kleingruppenprogramm 2-3x wöchentlich (9-12h) für Kinder mit Autismus oder Autismusverdacht zwischen 1 1/2 und ca. 3 Jahren zur Vorbereitung auf den Kindergarten.  

 

Die Gruppe ist therapeutisch geleitet. Der Betreuungsschlüssel ist mit 1:3 angesetzt. Dies erreichen wir dadurch, dass in einem Rotationssystem jeweils ein Elternteil (oder eine andere Bezugsperson) eines Gruppenkindes für eine Woche in die Gruppenleiterin unterstützt. 

 

SpielMinis bindet therapeutisches Herangehen nach den Prinzipien von Ayres' Sensorischer Integration® (Wahrnehmung, Handlungsfähigkeit) und DIR®Floortime (Beziehung, Interaktion, Kommunikation) in eine pädagogische Struktur (Ablauf wie im Kindergarten mit center-based learning) ein. Unsere Ansätze fördern nachgewiesenermaßen die Entwicklung der Kinder ganzheitlich, um sie auf den inklusiven oder integrativen Kindergarten vorzubereiten. Das Programm orientiert sich an Early Intervention Modellen, die ich in Kalifornien kennen gelernt habe, primär am Therapy West Infant Specialized Play Program (TWISPP).  Aspekte des Leaps & Bounds Program des Pediatric Therapy Network, Torrance (PTN) und des Early Start Denver Modells (ESDM) fließen in das Curriculum ein. 

Sehen Sie hier das Beispiel eines typischen SpielMinis Vormittags (nach TWISSP)

 

Im Sinne der Inklusion unterstützen wir den Transfer in den Regelkindergarten durch Erstellung eines Förderprofils und Zusammenarbeit mit den Pädagoginnen durch Beratung bzgl. Umwelt- und Aufgabengestaltung vor Ort, damit das Kind optimal vom Bildungsangebot profitieren kann.

 

Bei genügend Anmeldungen startet die Frühtherapiegruppe "SpielMinis" im März 2019.

 


5. Familienbegleitung

 

Eltern autistischer Kinder erleben laut Studien den höchsten Stress aller Eltern behinderter Kinder. Unsere Psychologinnen unterstützen sie durch  Trauerbegleitung, Elternberatung und Coaching, um die psychische   Belastung zu reduzieren.

 

Wir planen, periodisch Elternkurse und spezielle Familienevents (Ausflug, Spielnachmittag) auszuschreiben.  

 



Warum AutismusFokus?


Die sensorischen Verarbeitungsstörungen sind eines der Kernprobleme bei Autismus. Unzählige Berichte Betroffener und Studien beschreiben die verheerenden Auswirkungen, die die oft mit dem Erregungszustand rasch wechselnden Unter- und Überempfindlichkeiten auf das Verhalten und die Alltagsbewältigung haben.  Dr. Ayres hat sich schon in den 1970er Jahren mit sensorischer Integration bei Autismus beschäftigt, Annahmen über die neurologischen Grundlagen angestellt, die später bestätigt wurden (z.B. dass es sich um eine neurologische und nicht psychologische Störung handelt, dass das limbische System eine entscheidende Rolle spielt, dass vor allem die Prozesse des Registrierens,  Modulierens und Integrierens von Sinnesinformationen gestört sind) und die Wirksamkeit der SI-Therapie getestet (Ayres &Tickle, 1980).

 

Der SI-Ansatz unterscheidet sich von anderen (wie ABA, Sozialkompetenztraining, TEACCH) darin, dass er nicht an Symptomen ansetzt,sondern an zugrunde liegenden Fähigkeiten wie:

  • Regulation, Modulation, Reaktivität,
  • Perzeption, 
  • Praxie (Bewegungs- und Handlungsplanung). d.h. Ideation (Vorstellung des Handlungsziels), Initiieren, Planen, Antizipieren, Zu-Ende-Führen, Variieren. Dazu ist es notwendig, Sinnesinformationen geordnet zu verarbeiten und zu nutzen.

Kein Wunder, dass 8000 Eltern autistischer Kinder in einer Befragung, welches die wirksamste Therapie für ihr Kind war,  Ergotherapie als Nummer 1 nannten - 90% davon nach dem SI-Ansatz! (Quelle: AutismSpeaks)

Aktuelle, qualitativ hochwertige Studien zeigten die weitreichende Wirksamkeit der ET-SI nicht nur auf ein einzelnes Symptom, sondern auf verschiedene Entwicklungsbereiche (Bellefeuille, 2013; Wuang et al,. 2009; Miller, Coll & Schoen, 2007; Schaaf et al., 2014).

 

Praxisinhaberin Elisabeth Söchting hat aus Kalifornien nicht nur viel praktische Erfahrung in der Arbeit mit autistischen Kindern mitgebracht, sondern auch ein Advanced Practice Certificate in Autism Intervention and Research der Thomas Jefferson University in Philadelphia. Unsere Therapeutinnen, die ihre SI-Ausbildung aus erster Hand in Kalifornien oder bei der GSIÖ in Kooperation mit der University of Southern California (USC) gemacht haben, haben vertieftes Wissen über Autismus und praktische Erfahrung mit autistischen Kindern.


 

Wir wollen den Familien betroffener Kinder eine Alternative zur gängigen verhaltenszentrierten Sicht- und Behandlungsweise von Autismus bieten:  personenzentrierte und ursachenorientierte Frühdiagnostik und -intervention.

So wie wir bei einem Grippekranken mit der Therapie nicht daran ansetzen würden, den Kranken dazu zu bewegen, aus dem Bett aufzustehen, setzen wir auch bei Autismus nicht am Verhalten an, sondern hinterfragen, WARUM das Kind sich auf eine bestimmte Art verhält.  Und so wie eine Grippebehandlung an den Ursachen ansetzt, die den Kranken dazu bringen, im Bett zu liegen (nicht das Virus selbst, sondern Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und Husten), so versuchen wir die Ursachen der autistischen Verhaltensweisen zu identifizieren und mit unserer Behandlung dort anzusetzen.  

Sinnesinformationen zu verarbeiten und die gespeicherten Informationen für die Planung und Ausführung zweckmäßiger Handlungen zu nutzen (Praxie) spielen dabei eine zentrale Rolle.  Wie zahlreiche jüngere Studien und die aktuelle Hirnforschung zeigen, ist die Modulation und Integration von Sinnesinformationen bei Autismus gestört. Dyspraxie wird von manchen Forschern für den Kern der autistischen Störung gehalten. Nach Aussagen Betroffener wie Donna Williams, Temple Grandin und Carly Fleischmann stellen die sensorischen Verarbeitungsstörungen, v.a. Überempfindlichkeiten und Reizüberflutung, die verheerendste Beeinträchtigung bei einer autistischen Störung dar.

 

Unser therapeutischer Ansatz bei jungen Kindern beruht also darauf, das Kind zu verstehen, sein Verhalten als Ausdruck seines Denkens und Empfindens in Interaktion mit der Umgebung und der Aufgabe zu interpretieren, und an Problemen dieser Funktionen anzusetzen. Verhaltensmodifikation ist eine wichtige Ergänzung bei klar umrissenen Lernaufgaben (z.B. Sauberkeitstraining), bei älteren Kindern, die kognitiv sehr schwach sind, und als Notlösung, wenn nichts anderes wirkt.  

 

Durch unsere Arbeit wollen wir mehr Verständnis und Empathie für autistische Personen erreichen. 

 

Sehen Sie hier das Video einer Familie, die die bei uns eingesetzten Ansätze ausprobiert hat und was ihr am meisten geholfen hat. 

Wenn Sie diese Geschichte fasziniert, besuchen Sie die Website oder sehen Sie sich den ganzen Film auf Vimeo an!




Die Asperger Experten

Die Aufklärungsarbeit der Asperger Experts gehört zum besten, was uns diesbezüglich untergekommen ist!  Sie stimmt 100%ig mit dem Verständnis der Störung aus SI-Perspektive überein. Wie viele andere Betroffene auch (z.B. Donna Williams, Temple Grandin) betonen die Asperger Experten, dass die sensorischen Verarbeitungsstörungen die  Wurzel der meisten Probleme im Leben von Autisten sind. Während die SI-Therapie auch versucht, dieses Problem direkt zu behandeln, klären die Asperger Experten zunächst vor allem darüber auf, dass symptomorientierte Ansätze nichts zur Lebensqualität von Betroffenen beitragen (siehe unten), sondern dass die Grundvoraussetzungen verändert werden müssen, um wirklich und nachhaltig etwas zu bewirken. 

Sie geben unzählige Anregungen, wie man mit den 3 Grundproblemen, die die autismustypischen Verhaltensweisen und Schwierigkeiten umgehen kann:

  1. desorganisierte Sinnesverarbeitung und Reizüberflutung
  2. Stress
  3. Ängste

Deshalb teilen wir die kostenlosen Informationen der Asperger Experts auf der SpielStudio Seite.

 

Don't teach social skills!

Therapeuten, die mit SI arbeiten,  kommt diese Aussage nicht so provokant vor, wie sie sicherlich für viele lern- und verhaltenstherapeutisch orientierte Fachleute klingt - immerhin ist Sozialtraining Schwerpunkt vieler Autismusprogramme.


In ihrem Video  erklären die Asperger Experten, warum es keinen Sinn hat, komplexe Leistungen anzutrainieren, solange die Grundlagen nicht passen. Reizüberflutung, Stress und Ängste sind die eigentlichen Ursachen der sozialen Unsicherheiten und müssen beeinflusst werden. Fühlt sich der Betroffene wohler und sicherer, wird er automatisch besser kommunizieren.


Deklaration: Wir sind auf keine Weise mit den AspergerExperts verbunden oder an ihren Einnahmen beteiligt. Wir teilen diese Information hier aus Überzeugung, weil wir die Informationen und die Art der Vermittlung wichtig für alle Eltern von Kindern mit Störungen des autistischen Spektrums halten.