Psychologische DIAGNOSTIK - HINTERGRUND

Mit Hilfe von wissenschaftlich Methoden werden psychische Auffälligkeiten (auf der Ebene des Denkens, der Affekte und des Verhaltens) erhoben sowie unterschiedliche Bedingungen (körperliche, individuelle, psychosoziale) untersucht, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung der psychischen Auffälligkeiten beitragen.

 

 

Hauptziele der Diagnostik

Indikationsstellung und differenzierte Planung von Interventionen zur Verminderung der psychischen Auffälligkeiten.

 

 

Schritte des psychologischen diagnostischen Prozesses

  1. Exploration (Elterngespräch, Anamnese)
  2. Basisdiagnostik je nach Fragestellung: globale Fragebögen (CBCL), Entwicklungsdiagnostik (WET) /Intelligenzdiagnostik (K-ABC-II), Lese-, Rechtschreibdiagnostik (SLRT-II) Rechendiagnostik (HRT 1-4)
  3. Weitere spezifische Diagnostik, falls 1.+ 2. Hinweise auf weitere Teilleistungsstörungen oder psychische Störungen geben -> weitere spezifische Verfahren (z.B. DISYPS)
  4. Befundbesprechung
  5. schriftliches Gutachten

 

 

Methoden der klinisch-psychologischen Diagnostik

Die Grundlage jeder klinisch-psychologischen Diagnostik bildet eine ausführliches Explorationsgespräch. Es dient der Klärung der konkreten Fragestellung und des diagnostischen Auftrags.

Überblick über die Inhalte der Exploration:

  • Genaue Beschreibung der Problematik (+ Entstehung, Verlauf, bisherige Bewältigungsversuche, Überprüfung komorbider Auffälligkeiten und differentialdiagnostischer Kriterien…)
  • Interessen und Stärken
  • aktueller Entwicklungsstand, Entwicklungsgeschichte
  • schulische Leistungen
  • Familiäre und soziale Bedingungen

 

(Vor Beginn der Befragung werden formale Aspekte geklärt, Vertraulichkeit/Verschwiegenheitspflicht, Dokumentationspflicht, ggf. schriftl. Einverständnis zur Weitergabe und zum Einholen von Informationen von Kindergarten, Schule)

 

Auf Basis der Exploration werden weitere diagnostische Schritte eingeleitet und entsprechende Methoden zur Beantwortung der Fragestellung ausgewählt, z.B.:

  • Fragebogenverfahren
  • Interviews
  • psychologische Testverfahren (z.B. zur Entwicklungs- / Intelligenztests, Aufmerksamkeitstests,…)
  • Verhaltensbeobachtung

Nach Abschluss der Diagnostik erfolgt eine ausführliche Besprechung der Untersuchungsergebnisse (Infos aus Exploration, Fragebögen, Testergebnisse) sowie daraus abgeleiteten, individuellen Interventionsmaßnahmen (Beratung, Behandlung, weitere Therapiemaßnahmen).

 

Der gesamte diagnostische Prozess wird in Form eines klinisch-psychologischen Gutachtens festgehalten und nach erfolgter Befundbesprechung per Post zugesandt.

 

 

DAS PSYCHOLOGISCHE GUTACHTEN

Die Erstellung eines klinisch-psychologischen Gutachtens erfolgt nach gesetzlichen Richtlinien (http://www.aap.co.at/akademie/Gutachterrichtlinie.pdf)

 

Das psychologische Gutachten bietet „…nachvollziehbare und schlüssige Antwort auf Fragen, zu denen aufgrund des erhobenen Befundes, des Fachwissens, des aktuellen Forschungsstandes und der Berufserfahrung sowie der reflektierten Alltagserfahrung Stellung genommen wird. Die umfassende Beantwortung einer präzisen gutachterlichen Fragestellung wird von der Auftraggeberin (vom Auftraggeber) als Grundlage für Maßnahmen und Entscheidungen in verschiedenen Bereichen herangezogen.“

 

Die Bezeichnungen „klinisch-psychologische Stellungnahme“, „Behandlungsbericht“ und „Kurzfassung des Gutachtens“ sind nach geltendem Recht nicht definiert. Sofern es sich um eine Antwort mit Bezug auf klinisch-psychologische Fragestellungen über bestimmte Personen handelt, kommt die gegenständliche Richtlinie zur Anwendung….“

 

Formale Kriterien und Aufbau eines klinisch-psychologischen Gutachtens

Daten, Gutachterlicher Auftrag / konkrete psychologische Fragestellungen, Untersuchungsplan und -ablauf, Verwendete diagnostische Verfahren, Darstellung der Untersuchungsergebnisse (=Befund), Beantwortung der klin.-psych. Fragestellung (=Interpretation der Ergebnisse), Schlussfolgerungen, Maßnahmenvorschläge,…

 

Haftung

 

„Für mangelhafte Erteilung von Rat, Auskunft, Gutachtens- und Befunderstellung haften Personen zivilrechtlich persönlich für Schäden gemäß §1299 ABGB….“

Verfahren, die wir ZUR Verhaltens- und Psychodiagnostik einsetzen

 

Allgemeine Verfahren

standardisierte, störungsübergreifende Verfahren; decken ein breites Spektrum psychischer Auffälligkeiten ab und sollten bei allen Störungsbildern eingesetzt werden, weil psychische Auffälligkeiten relativ selten als monosymptomatische, umschriebene Störungen auftreten und häufiger Auffälligkeiten in mehreren Bereichen zu beobachten sind (komorbide Störungen)

CBCL 1 1/2-5 Child Behavior Checklist 1 1/2-5 deutsche Fassung

C-TRF 1 1/2-5 Fragebogen für ErzieherInnen von Klein- und Vorschulkinder

CBCL 6-18 (Elternfragebogen), TRF/6-18R (Lehrerfragebogen), YSR/11-18R (FB für Jugendliche);  Deutsche Schulalter-Formen der Child Behavior Checklist von Achenbach

 

Störungsspezifische Verfahren

auf Grundlage der Ergebnisse der Basisverfahren und der Exploration werden störungsspezifische Verfahren eingesetzt (je nach Fragestellung…DISYPS, FSK,…)

  

Zur Diagnostik umschriebener Entwicklungsstörungen

F80 umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache

F80.0 Artikulationsstörungen

F80.1 Expressive Sprachstörung

F80.2 Rezeptive Sprachstörung

F81 umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten

F81.0 umschriebene Lesestörung (= Lese- und Rechtschreibstörung)

F81.1 isolierte Rechtschreibstörung

F82 umschriebene Störung der motorischen Fähigkeiten

F83 kombinierte Störung schulischer Fertigkeiten

 

Entwicklungstests versus Intelligenztests

Entwicklungstests erfassen motorische und kommunikative Fertigkeiten sehr genau und bilden zusätzlich Grundvoraussetzungen ungestörter kognitiver Entwicklung ab, während Intelligenztests breite Spektren kognitiver Leistungsfähigkeit differenziert erfassen.

 

Klassische Entwicklungstests

Bayley

  • Altersbereich 1-42 Monate
  • Skalen: Kognitive Entwicklung; Sprache (rezeptiv + expressiv), Motorik (Grobmotorik, Feinmotorik); Fragebögen: Sozial-emotionale Entwicklung und Alltagsverhalten

 

WET

  • Altersbereich 3-6 Jahre
  • Skalen: Visuelle Wahrnehmung/Visumotorik, kognitive Entwicklung, Sprache, Gedächtnis und Lernen, sozial-emotionale Entwicklung, Motorik

 

Intelligenz-/Leistungstests

K-ABC-II

  • Altersbereich: 3-18 Jahre
  • Skalen (nicht für alle Alterbereiche gleich): Kurzzeitgedächtnis, Visuelle Verarbeitung, Langzeitspeicher, Fluide Fähigkeiten (Informationsverarbeitung), Kristalline Fähigkeiten (Wissen); FKI (= Fluid-Kristallin-Index entspricht Gesamt-IQ)
  • Bei 3-jährigen wird nur ein Gesamtwert (FKI) ermittelt, ohne dass Skalenwerte gebildet werden -> d.h. keine Profilinterpretation von Stärken/Schwächen möglich!

Gutes Verfahren v.a. zur Erfassung von Gedächtnis, Lernfähigkeit, exekutiver Funktionen bei leistungsbezogenen Fragestellungen; aber keine Entwicklungsdiagnostik im eigentlichen Sinn möglich.